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Montag, 18. Dezember 2017
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Hommage an Lumumba

In der Wochenzeitung "DIE ZEIT" vom 14. Januar 2011 werden die Hintergründe der Ermordung Lumumbas dargelegt. Außerdem eine intensive Leserdiskussion.



Die historische Rede, die Lumumba am 30. Juni 1960 gehalten hat.


Zu Lumumba schreibt Lawrence Reichard am 20.10.1991 in THE GUARDIAN WEEKLY u.a. „Zaire wäre durch einen sehr tüchtigen, ehrlichen und geeigneten Mann geführt worden: Patrice Lumumba, wäre Lumumba nicht durch UN-“Friedenstruppen“ gefangengenommen worden und CIA-Agenten übergeben worden, die ihn dann ermordeten. Lumumbas Ermordung führte unmittelbar zu dieser außerordentlich korrupten und brutalen Diktatur von Mobutu, der während langer Zeit dank der amerikanischen Militärhilfe überleben konnte...“



VOM FREIEN KONGO

Rede zum 30.6.1960


Sire, Exzellenzen,

meine Damen, meine Herren,

Kongolesen und Kongolesinnen,

Ihr Kämpfer für die Unabhängigkeit,

die Ihr heute den Sieg errungen habt,

ich grüße Euch im Namen der kongolesischen Regierung.

Euch alle, meine Freunde, die Ihr ohne Unterlaß an unserer Seite gekämpft habt, bitte ich, diesen 30. Juni 1960, diesen wichtigen Tag, unauslöschlich in Euren Herzen zu bewahren, diesen Tag, dessen Bedeutung Ihr stolz Euren Kindern erklären werdet, damit sie ihrerseits ihren Söhnen und Enkeln die Geschichte von unserem glorreichen Kampf für die Freiheit weitergeben.

Denn diese Unabhängigkeit des Kongo, die jetzt im Einverständnis mit Belgien proklamiert wird, dem Land, mit dem wir jetzt gleichberechtigt verhandeln, darf kein Kongolese, der diesen Namen verdient, jemals vergessen, denn sie ist durch den Kampf errungen worden.

Durch einen tagtäglichen Kampf, einen Kampf, glühend und idealistisch, einen Kampf, in welchem wir unsere Kräfte nicht geschont haben, noch unsere Entbehrungen, noch unsere Leiden, noch unser Blut.

Dieser Kampf aus Tränen, Feuer und Blut macht uns stolz bis tief hinein in unser Innerstes, denn es war ein edler und gerechter Kampf, ein unvermeidlicher Kampf, um der demütigenden Sklaverei ein Ende zu setzen, die uns durch die Mächtigen auferlegt war.

Dies war achtzig Jahre lang, während der Zeit des Kolonialismus, unser Schicksal. Unsere Wunden sind noch zu frisch und schmerzhaft, als daß wir sie aus unserem Gedächtnis verbannen könnten.


Wir haben bis zur Erschöpfung gearbeitet für Löhne, die nicht ausreichten, um unseren Hunger zu stillen, noch uns zu kleiden, noch uns menschenwürdig unterzubringen, noch unsere Kinder als geliebte Wesen aufzuziehen.

Wir sind mit Ironie, Beleidigungen, Schlägen behandelt worden, vom Morgen bis zum Abend, weil wir „Nigger“ waren. Wer kann je vergessen, daß die Schwarzen mit „Du“ angeredet wurden; sicher nicht, weil man sie als Freunde ansah, sondern, weil das ehrenvolle „Sie“ allein den Weißen vorbehalten war.

Man hat unser Land an sich gerissen, angeblich aufgrund rechtmäßiger Gesetze, die nur das Recht des Stärkeren erkennen ließen.

Es gab ein Gesetz, das niemals gleich für Schwarze und für Weiße gehandhabt wurde: Es war gefällig für die einen, grausam und unmenschlich gegen die anderen.

Wir haben wegen unserer politischen Meinung oder unserem Glauben als Verbannte schreckliche Leiden erlebt; verbannt im eigenen Vaterland war dieses Schicksal schlimmer als selbst der Tod.

Wir haben in den Städten die prächtigen Häuser der Weißen gesehen und die zerfallenden Strohhütten der Schwarzen. Der Schwarze durfte nicht in die Kinos gehen, nicht in die Restaurants, nicht in die sogenannten „europäischen“ Geschäfte; der Schwarze, er reiste in den engen Zwischendecks, zu Füßen der Weißen in ihren Luxuskabinen. [auf dem Kongofluß]

Und wer wird die Erschießungen so vieler unserer Brüder vergessen, und die Gefängnisse, in welche man diejenigen so brutal geworfen hat, die sich dem Regime des Unrechts, der Unterdrückung und der Ausbeutung nicht unterwerfen wollten?

Unter diesem allem, meine Brüder, haben wir schwer gelitten.

Aber das alles, das sagen wir, die durch das Votum Eurer Repräsentanten gewählt worden sind, um unser geliebtes Land zu regieren, wir, die wir an Leib und Seele gelitten haben unter der Unterdrückung durch die Kolonialherrschaft, das sagen wir Euch ganz kurz: Das alles ist nun vorbei.

Jetzt ist die Republik Kongo ausgerufen und unser geliebtes Land ist nun in den Händen seiner eigenen Kinder.

Gemeinsam, meine Brüder und Schwestern, werden wir jetzt einen neuen Kampf beginnen, einen edlen Kampf, der unser Land zu Frieden, Wohlstand und Größe führen wird.

Gemeinsam werden wir die soziale Gerechtigkeit wiederherstellen und dafür sorgen, daß jeder den gerechten Lohn für seine Arbeit erhält.

Wir werden der Welt zeigen, was der schwarze Mensch leisten kann, wenn er in Freiheit arbeitet, und wir werden aus dem Kongo das leuchtende Zentrum von ganz Afrika machen.

Wir werden darüber wachen, daß dieses Land, unser Vaterland, wirklich dem Wohl unserer Kinder dient.

Wir werden alle ehemaligen Gesetze revidieren und daraus neue, gerechte und würdige Gesetze machen.

Wir werden der Unterdrückung der Meinungsfreiheit ein Ende setzen und dafür sorgen, daß die Bürger die Grundrechte voll genießen, die in der Erklärung der Menschenrechte vorgesehen sind.

Wir werden jegliche Diskriminierung wirksam ausmerzen und jedem den gerechten Platz geben, den seine menschliche Würde, seine Arbeit und sein Engagement für das Land ihm zuweist.

Wir werden Frieden schaffen, nicht mit Gewehren und Bajonetten, sondern mit Herz und gutem Willen.

Und um dieses Ziel zu erreichen, liebe Landsleute, des könnt Ihr sicher sein, brauchen wir nicht nur unsere eigenen riesigen Kräfte und unermeßlichen Reichtümer einzusetzen, sondern können auch mit der Unterstützung zahlreicher anderer Länder rechnen, deren Zusammenarbeit wir akzeptieren, sofern sie loyal ist und nicht versucht, uns irgendeine Politik aufzuzwingen.

Auf diesem Gebiet hat Belgien endlich den Sinn der Geschichte verstanden und versucht nicht, sich unserer Unabhängigkeit zu widersetzen; es ist bereit, uns seine Hilfe und seine Freundschaft zu gewähren, und in diesem Sinne ist soeben ein Vertrag zwischen unseren beiden gleichberechtigten und unabhängigen Ländern unterzeichnet worden. Diese Zusammenarbeit, des bin ich sicher, wird beiden Ländern Nutzen bringen. Wir unsererseits werden die frei gegebenen Verpflichtungen einhalten und dabei auf der Hut bleiben.

Also, im Innern wie im Äußern entsteht ein neuer Kongo: unsere Republik, die meine Regierung errichten wird, wird ein reiches, freies und blühendes Land sein. Aber damit wir ohne Verzögerung dieses Ziel erreichen, bitte ich Euch alle, Gesetzgeber und Bürger des Kongo, mir mit all Euren Kräften zu helfen.

Ich bitte Euch alle, die Stammesfehden zu vergessen, die uns nur schwächen und unser Ansehen im Ausland gefährden.

Ich bitte auch die parlamentarische Minderheit, meiner Regierung durch eine konstruktive Opposition zu helfen und streng auf legalen und demokratischen Wegen zu bleiben. Ich bitte Euch alle, kein Opfer zu scheuen, um das Gelingen unserer großartigen Unternehmung zu gewährleisten.

Schließlich bitte ich Euch noch, Leben und Gut Eurer Mitbürger und der Fremden, die in unserem Lande leben, zu respektieren; wenn jedoch das Verhalten dieser Fremden zu wünschen läßt, wird unsere Justiz rasch dafür sorgen, daß diese aus dem Gebiet der Republik ausgewiesen werden; wenn sie hingegen sich ordnungsgemäß verhalten, soll man sie in Ruhe lassen, denna uch sie arbeiten für das Wohl unseres Landes. Die Unabhängigkeit des Kongos ist ein entscheidender Schritt zur Befreiung des gesamten afrikanischen Kontinents.

Das war's.

(Übersetzung: Heidi und Georg W.Schimpf, deutsche Erstveröffentlichung: Der Pazifist, Hefte für Völkerrecht und Arbeit für den Frieden, Nr. 7-8,1993, hrsg. von Dialog International.)

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