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Mittwoch, 17. Oktober 2018
Mai 2015 > Hommage an Lumumba > E.R.Mbaya: Afrikas Einheit

E.R.Mbaya: Afrikas Einheit


Die großen Themen der politischen Rede

des Patrice-Emery Lumumba


Die Unabhängigkeit und Einheit Afrikas

Von Prof. E.R.Mbaya (1940-2001)

Der Kampf der afrikanischen Völker für ihre Unabhängigkeit wollte das koloniale System abschaffen. Dies durch die Einführung demokratischer Strukturen, die ihre Befreiung und ihre volle Beteiligung an den Verantwortlichkeiten des nationalen Lebens sichern sollten.

Lumumba hatte nicht die Zeit, für den Kongo und für ganz Afrika all das zu machen, was er hätte machen können und was er tun wollte. Sein ehrenvolles Leben und seine bemerkenswerte Aktivität wurden plötzlich und auf feige Weise ausgeschaltet, lange bevor sie den Gipfel erreicht hatten.

Der Reichtum seiner Ideen ist wirklich unerschöpflich. Zusammen ergeben sie eine harmonische Theorie des militanten afrikanischen Nationalismus. Jeder Afrikaner kann eine Antwort finden in seinen zahlreichen Reden, seinen Darstellungen bei Pressekonferenzen und seinen Schriften, die Fragen von brennender Aktualität betreffen.

Die Rassendiskriminierung hat ihn zutiefst verletzt. In seiner Rede vom 30.6.1960 sagt er: „Wir haben Sarkasmus und Beschimpfungen kennengelernt, genauso wie Schläge, die wir von morgens bis abends erdulden mußten, weil wir Neger sind...“

Er schloß sich denen an, die nach ihren eigenen Parolen sich nicht länger unter ein Regime der Unterdrückung und Ausbeutung unterwerfen wollten und die sich entschieden hatten, für die Wiederherstellung der Würde des schwarzen Mannes zu kämpfen, für seine Rechte, welche die Kolonialisten mit Füßen getreten hatten. Er sah ein, daß gekämpft werden mußte, aber nicht gegen isolierte Akte von Unrecht, sondern im Gegenteil gegen die Gesamtheit des Systems, das diese Ungerechtigkeit zu verantworten hat, genau wie gegen den Kolonialismus, um die Unabhängigkeit des Kongos und von da aus die Unabhängigkeit ganz Afrikas zu erreichen. Ohne Justiz gibt es keine Würde und ohne Unabhängigkeit keine freien Menschen; das war die Parole des Kampfes.

Während sich Lumumba mit seinem Volk auf den Kampf um die Unabhängigkeit vorbereitete, hatte er an allererster Stelle daran gedacht, eine politische Organisation zu schaffen, die alle Stämme und Volksgruppen dieses großen Landes vereinigte. Er hatte dabei nicht nur die Bildung einer politischen Partei, sondern auch die einer vereinigten nationalen Front im Auge, die bereit war, für die Unabhängigkeit ihres Landes zu kämpfen. Die Organisation, welche von ihm im Oktober 1958 geschaffen wurde, erhielt den Namen „Nationale Kongolesische Bewegung“ (M.N.C.)

Die M.N.C. bestand bis zur Unabhängigkeit, sie war die einzige Organisation, die die notwendigen Qualitäten für eine fortschrittliche Befreiungsbewegung mitbrachte:

  • sie tritt ein für die Errichtung eines einheitlichen kongolesischen Staates;

  • sie bekämpft jede Form von Regionalismus oder Separatismus;

  • sie repräsentiert den einzigen Versuch des Kongos, seine nationale Bewegung zu bilden, welche alle Schichten der Gesellschaft, alle Volksgruppen, alle Klassen und alle Religionen umfaßt.

Die afrikanische Einheit ist ein Gebot der Geschichte im Dienste der Demokratie und der Entwicklung.

Seit Jahrtausenden sind Grundlagen dieser Einheit in den Sprachen und Kulturen verankert; diese gilt es zu entwickeln und zu stärken. In der Einheit kann und muß Afrika alle Projekte und alle neokolonialistischen und imperialistischen Machenschaften vereiteln und ablehnen.

Die Einheit ist ein Gebot der Geschichte, ein Prozeß, eine Praxis. Die Einheit stellt ein neues Gebiet her, das es zu erobern gilt. Sie wird Afrika endlich von den unheilvollen Belastungen und Hypotheken der Teilung befreien, die durch die Berliner Konferenz von 1884/85 vollzogen wurde. Im Herzen dieser Einigungsprojekte liegt der Wille, objektive Bedingungen für eine unabhängige, eigenständig gebildete und verwaltete Entwicklung zum Wohl aller afrikanischen Völker zu schaffen. Deswegen begann Lumumba diese Vereinigung in seinem eigenen Land und in seiner jungen Partei M.N.C.

Lumumba erklärte dann, daß es das Ziel der M.N.C. Sei, die Kongolesen zu vereinigen und zu organisieren, um für die Verbesserung ihres Lebens und gegen die Unterdrückung durch das kolonialistische Regime zu kämpfen, vor allem aber um die Ausbeutung der Menschen untereinander zu beenden.

Lumumba sprach sich für die Vereinigung der nationalistischen Kräfte aus, lenkte aber zugleich die Aufmerksamkeit auf die Gefahr, sich mit dem ersten Erstbesten zu vereinigen. Er meinte, man sollte die brüderlichen Bande der Zusammenarbeit mit jeder Gruppierung aufrechterhalten, die die gleichen Ziele wie die M.N.C. hat. Er empfahl, auf jeden Fall wachsam zu bleiben im Hinblick darauf, die Gruppen auszuwählen, die sich zu schnell formiert hatten und die eigentlich in dieser Phase des Kampfes um die Unabhängigkeit gar kein festes nationalistisches Programm hatten.

Schließlich war Patrice-Emery Lumumba nicht der einzige Kongolese, der protestierte und die Frage nach Unabhängigkeit stellte. Aber erst als Lumumba auf der politischen Bühne erschien, erhielt die Frage nach Unabhängigkeit des Kongos einen konkreten Charakter. Die M.N.C. Hatte damals gerade die Parole von der „sofortigen und bedingungslosen Unabhängigkeit“ aufgebracht.

Belgien wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und gab sein Einverständnis, Anfang Februar 1960 in Brüssel eine Konferenz einzuberufen, um über das Schicksal des Kongos zu entscheiden.

Die Unabhängigkeit als Instrument der Verbesserung der Lebensbedingungen für die Kongolesen wurde am 30.6.1960 ausgerufen.

Für Lumumba jedoch bedeutete die politische Machtergreifung keinesfalls ein Abstandnehmen vom Kampf um die Unabhängigkeit, die einen anderen Ausgang genommen hat, sondern war im Gegenteil dazu fähig, Lösungen für die Probleme auszuarbeiten, die sich wegen des wirtschaftlichen Rückstands des Landes stellten, und die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern. Er glaubte immer daran, daß die Freiheit allein kein Selbstzweck sei, und daß sie vor allem nicht ausreiche, ein Volk materiell und geistig zu ernähren.

(Erstveröffentlichung: DER PAZIFIST – Hefte für Völkerrecht und Arbeit für den Frieden, Ausgabe November/Dezember 1993, hrsg. von © Dialog International. Übersetzung: Heidi u. Georg W.Schimpf)